7 Tools für mehr Kreativität

Serena Maria Zimmermanns Tipps für mehr Kreativität in Beruf und Alltag.

Egal, ob du Kreativunternehmer*in bist, Kreativität in deinem Leben generell eine große Rolle spielt oder du einfach ein bisschen mehr davon in dein Leben einladen möchtest: Hier findest du 7 Möglichkeiten, wie du deine kreativen juices mehr zum fließen bringen kannst.

Für wen oder was ist Kreativität?

Alle Menschen sind kreativ. Es ist das, was unsere Spezies ausmacht. 

„If you’re alive, you’re a creative person.“

Elizabeth Gilbert

Mit Kreativität meine ich hier nicht nur künstlerisches Schaffen. Wie Svenja Hofert in ihrem Buch Mindshift sagt, ist es vor allem „die Fähigkeit, im Kopf von gewohnten Denkweisen abzuweichen. Dazu gehört notwendigerweise das Vermögen, möglichst originelle Ideen zu produzieren. Diese sind wiederum die Folge von Vorstellungsvermögen und Fantasie. Je mehr Ideen es gibt, desto wahrscheinlicher ist, dass etwas Neues entsteht und damit auch Innovation wachsen kann. Das betrifft die Innovation in Unternehmen genauso wie die in Ihrem Lebensalltag.“ 

Kreativität ist das, was unserem Leben Würze, Flow, Spaß, Spannung und Abwechslung bringt. Obwohl wir Menschen an sich schon kreative Wesen sind, gibt es Mittel, die die Kreativität besonders fördern können.

Kleine Mittel, großer Effekt

In 20 Jahren Berufsleben, wie auch privat, war Kreativität immer ein großer Teil meines Lebens. Als Kreativunternehmerin gibt es tagtäglich die Notwendigkeit, meine Kreativität optimal zu nutzen, einzusetzen und auch mal auf Knopfdruck „anzuzapfen“. Dafür habe ich mir über die Jahre ein ziemliches Repertoire an Tools angeeignet, die ich bewusst einsetze. 

„Creativity is not about creating a painting, novel or house but creating yourself, creating a better future and taking the opportunities that you are currently missing.“

Rod Judkins

Na wenn das nicht ein guter Grund ist, unsere Kreativität im Alltag mit kleinen Tools gut bei Laune zu halten!

Idealerweise setze ich die folgenden 7 Tipps auf regelmäßiger Basis ein, einige davon täglich. So können sie nachhaltig und langfristig für mich ihre magic machen und die Kreativität bleibt gut am Fließen. Gerne können sie aber auch punktuell eingesetzt werden, wenn der zündende Einfall gerade nicht kommen will und einen kleinen Stupser braucht. 

7 Mittel für mehr Kreativität

Alle alltagserprobt!

1. Schnell gehen! 

Gehen bringt alles in Schwung. Im Alltag achte ich darauf, dass ich täglich Strecken zu Fuß zurück legen kann. Denn jedes noch so kurze Gehen hilft. Je zügiger, desto besser.

„Man wird während der Bewegung kreativer.“

Dr. Manuela Macedonia

Wenn ich mal vorm Laptop sitze und die Gedanken sich einfach nicht in Worte formen wollen (noch schlimmer: wenn ich nichtmal weiß, was ich gerade denke 🙂 ) oder wenn ich an der Töpferscheibe sitze und momentan nichts so richtig gelingen will – ein kurzer, schneller Spaziergang ist oft das erste Mittel der Wahl! In den meisten Fällen kommt schon nach wenigen Schritten – PLING – DIE Idee. Außerdem hebt Bewegung nachweislich die Stimmung, win win würde ich also sagen.

Erinnerung: etwas zum Notieren oder Aufnehmen der Gedanken mit dabei haben. Sonst ist die Idee wieder weg, bevor ich beim Arbeitsplatz zurück bin.

2. Handschreiben! 

Mit der Hand schreiben habe ich schon immer geliebt. Seien es Brainstormings oder einfach drauf los schreiben – sobald der Stift das Papier trifft und ich loslege, kommen völlig überraschende Gedanken und Einfälle zum Vorschein. Auf einmal macht vieles Sinn, wird klar, Ideen fließen.

Auch als Vorbereitung für die eigentliche kreative Aufgabe, die vor mir steht, ist Handschreiben ein tolles Tool. 

Julia Camerons Tipp: täglich in der Früh 3 Seiten mit der Hand schreiben, die sogenannten Morning Pages. Einfach drauf los schreiben, was auch immer raus will. 

„Morning pages do get us to the other side: the other side of our fear, of our negativity, of our moods.“

Julia Cameron

Alles rauslassen, am besten ohne es zu bewerten, damit danach Neues hervorkommen kann. 

3. In die Luft schauen! 

Als ich vor kurzem Freundinnen davon erzählte, wie wichtig ich Sitzen und in die Luft Schauen finde, fragte mich eine, skeptisch: „Aber Serena, machst du das wirklich? Einfach hinsetzen und in die Luft schauen?“ JA! Mach ich wirklich. Habe ich mein Leben lang gemacht. 

Als Kind und Jugendliche dachte ich, es wäre ein Zeichen für Faulheit, für fehlenden Antrieb, für mangelnde Disziplin und war immer von schlechtem Gewissen getrübt. Jetzt weiß ich: Es ist oft das Produktivste, was ich tun kann!

„Creative people need time to just sit around and do nothing.“

Austin Kleon

Einfach dasitzen erlaubt uns, raus aus dem Tun und rein ins Sein zu kommen. Inzwischen sitze ich nicht nur mit handgemachten Keramiktassen und besonders gutem Gewissen herum, sondern auch mit wissenschaftlicher Rückenstärkung. Dr. Manuela Macedonia beschreibt in ihrem Buch “Beweg dich! Und dein Gehirn sagt danke” eine Studie, bei der herausgefunden wurde, dass beim Nichtstun und im Ruhezustand einige Gehirnregionen besonders aktiv sind und ein reger Informationsaustausch stattfindet. „Deswegen erleben wird, dass uns manchmal etwas einfällt, woran wir gar nicht gedacht haben oder die bessere Lösung für das Problem plötzlich da ist“, sagt sie.

Danke, Manuela! 

Wenn ich meine Kinder manchmal beim Sitzen und in die Luft Schauen sehe, freue ich mich und versuche, sie möglichst nicht zu unterbrechen. Denn ich weiß, wie wertvoll diese Zeit für sie ist.

Wichtig für mich (und bestimmt auch in Manuelas Sinn): Nach dem Rumsitzen tatsächlich wieder aktiv werden und immer für ein ausgewogenes Verhältnis von Bewegung und Nichtstun sorgen :-). 

4. Spielen!

Nicht überlegen, einfach machen!

„Take time to mess around. Get lost. Wander. You never know where it’s going to lead you.“

Austin Kleon

Mit Stift am Papier spielen, ohne auch nur einen kleinen Moment daran zu denken, wie das aussieht. Mit den Händen an der Töpferscheibe loslegen, ohne vorher Skizzen gemacht zu haben. Die Finger übers Klavier fliegen lassen und drauf los improvisieren. Einfach spielen und schauen, was kommt. Wenn dann ein inneres Flackern aufscheint, ein „oh, das gefällt mir jetzt richtig gut“ – dann gehe ich dem strategischer nach, entwickle es weiter, plane. Spielen heißt hier, der Kreativität freien Lauf zu lassen und sie nicht durch logisches Denken zu stoppen. 

5. Neues einladen!

Neue Orte, neue Themen, neue Skills, neue Impulse.

Alles, was ungewohnt und überraschend für uns ist, entfacht neue Ideen.

Es muss nicht gleich eine große Reise sein – einfach mal einen neuen Heimweg einschlagen. In Wien mal in eine Straßenbahn setzen, mit der du noch nie gefahren bist.

Dich mit Themen beschäftigen, die du bist jetzt nicht so wirklich wahrgenommen hast. Leitwörter (mehr dazu in diesem Artikel) können hier hilfreich sein.

Neue Skills lernen, denn kreative Aktivitäten nähren sich gegenseitig. Bringst du neue Skills in dein Leben, ist das Kraftfutter pur für deine Kreativität. 

6. Alleine in der Natur sein! 

Ruhe. 
Den hektischen Alltag hinter dir lassen.
Keine Einflüsse von außen.
In der Natur.
Ganz alleine. 
Überraschen lassen, was von innen drinnen zum Vorschein kommt.

7. Hausarbeit!

Ja, du hörst richtig! Gerade bei Routineaktivitäten kann es in unserem Gehirn so richtig KLACK-KLACK-KLACK machen. Plötzlich fügen sich wie von selbst Informationen zusammen und da ist sie, die neue Idee. Was ich jetzt gerade als Haushalts-und-Kreativitätspause gemacht habe? Gefrierschrank abtauen und voll Genugtuung die schon angeschmolzenen Eisplatten wegnehmen. Manche nennen es Prokrastination, ich nenne es (wenn gezielt eingesetzt) kreatives Haushalten.

Gut für mich, gut für den Haushalt. Manchmal zumindest – denn wenn ich ehrlich bin, schaut es eher öfter so aus, dass ich etwas längere Haushaltsarbeiten mitten drinnen liegen lasse, weil DIE Idee JETZT SOFORT meine Aufmerksamkeit will :-).

Wenn dein Arbeitsplatz nicht Zuhause ist, wären hier Tätigkeiten wie Büro putzen, ordnen, sortieren passend. Manchmal schreibe ich in Cafés – dann hält meine Tasche oder mein Rucksack her und wird irgendwie umsortiert :-).

Das waren sie, meine 7 alltagstauglichen Tipps für mehr Kreativität. Ich hoffe, du kannst dir das eine oder andere mitnehmen. Und wenn es nur ist, dass du ab jetzt in aller Seelenruhe am Sofa sitzt.

Zum Abschluss noch ein Zitat als Erinnerung an dich, bevor ich eine Runde spazieren gehen und danach kräftig Nichtstun praktizieren werde:

„Creativity is not a rare ability. It is not difficult to access. Creativity is a fundamental aspect of being human.“

Rick Rubin

Quellen:

Cameron, Julia (1994): The Artist’s Way. London: Souvenir Press
Gilbert, Elizabeth (2015): Big Magic. New York: Riverhead Books
Hofert, Svenja (2019): Mindshift. Frankfurt am Main: Campus Verlag
Judkins, Rod (2015): The Art of Creative Thinking. London: Sceptre
Kleon, Austin (2012): Steal Like an Artist. New York: Workman Publishing Company
Macedonia, Manuela (2018): Beweg dich! Und dein Gehirn sagt danke. Wien: Brandstätter
Rubin, Rick (2023): The Creative Act: A Way of Being. Edinburgh: Canongate Books

Fotos1 und 3: Margit Hubner Fotografie