Ton, Träume, Missgeschicke und Motivation: die Keramik und ich.

Entdeckt

Serena Maria Zimmermann, Keramikerin aus Wien

Der Küchentisch voll Ton. Rotem Ton. 
Allerhand Werkzeuge. 
Ausgewalzte Tonplatten, die zurechtgeschnitten und mit Ton Schlicker aneinander geklebt werden.
Irgendwann stellen sie eine Dose dar.
Eines meiner ersten Stücke Keramik.

Der Besuch einer Keramikwerkstatt, um die selbst gemachten Stücke zum Brennen zu bringen. Dunkel, staubig, alt. Faszinierend, irgendwie mystisch

Das sind meine ersten Erinnerung ans Arbeiten mit Ton und Keramik. Der Küchentisch ist der 5-eckige Küchentisch meiner Kindheit, an dem nicht nur gegessen und die Hausaufgaben gemacht wurden, sondern auch allerhand kreatives Schaffen stattfand. Unter anderem mit Ton.

Was von diesen Erinnerungen geblieben ist? Einerseits die kleine Dose aus Plattentechnik, unglasiert, die in der Küche meiner Eltern nach wie vor als Taschentuchspender dient.

Andererseits die Liebe zu diesem wunderbaren Material.
Ton

Gefunden

Seit den ersten Keramikversuchen als Kind am Küchentisch sind viele Jahre vergangen. Man könnte sagen es war ein frühzeitig gesäter Samen, der ein paar Jahrzehnte gebraucht hat, um so richtig zu keimen. Dann ist er dafür aus der Erde geschossen und explosionsartig gewachsen. Denn als ich schlussendlich das erste Mal an der Töpferscheibe saß wusste ich in der Sekunde: Das ist es! 

So lange schon hatte ich handgemachte Keramik gesammelt und davon geträumt. Endlich war es my turn.

Richtig stolz war ich, als die Kursleiterin nach ein paar Minuten meinte:
„Super, Serena, da hast du deine erste Schüssel. Nimm sie gleich von der Scheibe und behalte sie. Dann nimm dir einen neuen Klumpen und probier einen Zylinder.“

Was ich in diesem Moment noch nicht wusste: anstatt eines Zylinders, der eigentlich der Auftrag gewesen war, ist mein Ton nach außen gekippt und die Schüssel war in Wirklichkeit ein vollkommen misslungenes erstes Stück. Also lieber gleich beiseite und erneut versuchen. Aber egal – die Motivation war da. Bald darauf ähnelten meine Werke tatsächlich Zylindern und die darauffolgenden Jahre waren geprägt von Keramik: eigene Töpferscheibe, viele (und noch mehr) Stunden Übung, Ausbildungen, eigenes Studio in Wien, ein paar Stolpersteine, die überwunden werden wollten (ohne Herausforderungen geht’s irgendwie nie, oder?) – et voilà! Serena Maria Zimmermann ist Keramikerin.

Angekommen

Wenn ich heute den Ton mit Leichtigkeit an der Scheibe forme, von Schüsselform wieder in Zylinderform bewege, muss ich Schmunzeln. 

Darüber, dass mit Motivation und Einsatz so viel möglich ist. 
Darüber, dass die Faszination Ton für mich immer noch größer, statt kleiner wird.
Darüber, dass ihr meine Schüsseln, die tatsächlich als Schüsseln geplant und gemacht wurden, bei euch Zuhause am Esstisch stehen habt und daraus esst, aus einer Tasse von mir trinkt, oder Blumen in einer von mir gemachten Vase eure Räume dekorieren. 
Darüber, dass die Freude, mit der ich Keramikerin bin, vielleicht in meinen Stücken ein bisschen zu euch transportiert wird und euch eure kleinen Momente des Alltags versüßt.

Unendlich

Das Aufregende und gleichzeitig ein wenig Einschüchternde an der Keramik ist, dass es ein unendliches Feld ist. Es gibt immer Neues zu probieren. 

Neue Techniken. 
Neuen Formen.
Neue Farben.
Neue Details. 

Umso gespannter bin ich, was noch aus uns wird – aus der Keramik und mir. 

Meine erste an der Töpferscheibe geformte Schüssel (aka misslungener Zylinder), die habe ich natürlich aufgehoben. Als nächster Taschentuchspender ist sie zu klein, also steht sie einfach nur da. Oft habe ich überlegt sie wegzugeben, weil ich keinen Nutzen für sie habe. Bis mir klar wurde, dass sie einfach nur durch’s Herumstehen auf meinem Arbeitstisch im Studio einen sehr wichtigen Zweck erfüllt: 

Sie ist eine Erinnerung daran, dass nicht alles auf den ersten Anhieb funktionieren muss oder kann, aber funktionieren wird, wenn der Wille da ist und kontinuierlich Schritte in die gewollte Richtung gemacht werden.